Wie entstehen die Mythen?
Ich denke, für einen umfassenden Vergleich fehlen viele Informationen. Das Management auf Besuchstour sieht natürlich nur die besten Seiten. Aspekte, die sich auf die Arbeit selbst auswirken ("20 kg Tragebeschränkung") bekommt das Management nicht mit, weil es sich damit in der Regel einfach nicht befaßt.
Ansonsten erfahren wir sehr viel doch nur noch aus den Wirtschaftsteilen der Medien, und da frage ich mich, woher denn der Journalist weiß, was Sache ist? In der Regel stellt er auch nur vorgelieferte Informationen neu zusammen.
Nichtsdestotrotz können Unternehmen mit der Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland - auch in Billigstlohnländer - sehr erfolgreich sein. Ich will das nicht grundsätzlich in Abrede stellen. Aber daraus ein vernichtendes Pauschalurteil über den Standort Deutschland abzuleiten - den Mythos "Ausland" zu entwerfen - dazu ist meiner Ansicht nach noch lange nicht tief genug geschürft werden.
Wie entstehen diese Mythen also?
Da macht ein Manager eine Besuchs- oder Informationsreise bei irgendwelchen Unternehmen im Ausland. Wird er hierbei etwas über die Probleme an den Arbeitsplätzen selbst erfahren? Dazu muß er sich wohl danebenstellen, und das wird wohl eher nicht der Fall sein.
Da hält ein Unternehmensberater aus dem Ausland Vorträge in Deutschland. Wird er in der begrenzten Zeit seines Vortrages solche Probleme ansprechen? Wird er überhaupt Negatives ansprechen?
Da erhält ein Wirtschaftsjournalist den Auftrag, über die Erfahrungen der Firma XY mit ausgelagerten Produktionsstätten zu berichten. Von wem holt er sich in erster Linie seine Informationen ein?
Wir lesen immer über Berichte, die das Übel dieses unseres Wirtschaftsstandortes darlegen. Von wem stammen diese Berichte? Aus welchen Qellen schöpfen diese Berichte ihre Informationen? Können wir uns überhaupt anhand dieser Berichte orientieren?
Es gibt auch andere Quellen, Personen, die in ausgelagerten Produktionsstätten arbeiteten. Ich habe bisher leider nur zuwenige getroffen, aber bei den wenigen Malen erhielt ich in kürzester Zeit mehr konkrete Informationen über Vor- und Nachteile als aus den immer wieder das gleiche Blabla wiederholenden Wirtschaftsjournalen. Dabei gab es sowohl positive als auch gedämpfte Meinungen.