Strässle
Zuerst: ein dreistündiges Fachgespräch mit den beiden Fachvorgesetzten: Projektleiter und Abteilungsleiter. Alles ging bestens, alles war klar. Mich hat der Job interessiert, die Qualifikation passte haargenau.
Dann kam ein zweites Gespräch mit dem Personalchef (der Mann muss ja auch seine Existenzberechtigung beweisen - oder hat er nur so viel Langeweile?). Erst die weit verbreitete Holzhammer-Psychologie: welche Vorteile haben Sie, was sehen Sie als Ihre Nachteile an, was halten Ihre Freunde von Ihnen (dass ich gut im Bett bin, oder was soll man ernsthaft auf so einen Blödsinn antworten?).
Zum Schluss verstieg er sich zu der ungemein sachkundigen Frage "Sind Sie heiß auf den Job?" (Wirklich, mit großer Betonung auf "heiß"). Ich konnte den Dummkopf nur noch angucken: "Wenn ich die Arbeit nicht wollte, sässe ich ja kaum hier". Und wenn ich sie nicht wollte, aber halt' bräuchte, dann würde ich es ihm ja wohl nicht auf die Nase binden.
Zwei Tage später erhielt ich die Absage. Weil im Vorfeld alles bereits zu gut gelaufen war, rief ich doch noch den Abteilungsleiter an. Der sagte dann, von seiner Seite aus hätte kein Problem vorgelegen, aber die letzte Entscheidung trifft nun einmal der Personalchef. Er rät mir, das nächste Mal mehr Interesse am Job zu zeigen.
Was lernen wir daraus: Es kommt nicht darauf an, was man kann, und schon gar nicht interessiert, wem der Fachvorgesetzte die Arbeit zutraut, sondern man muss jemanden, der weder die Aufgabe kennt noch die Verantwortung dafür hat, überzeugend erklären, dieser und nur dieser Job sei HAARGENAU das, was man sich schon IMMER gewünscht habe, ja, er VERKÖRPERE geradezu den Jugendtraum. Ich weiß, dass es Blödsinn ist, der Fachvorgesetzte weiß wahrscheinlich auch, dass es Blödsinn ist, nur der Personalchef glaubt wohl noch an den Osterhasen.
Im Endeffekt war es eigentlich ganz gut, daß es so lief - Strässle gibt es ja auch schon seit einiger Zeit nicht mehr.