Stellung des Personalchefs
Neben dem, was der Personalchef tut, sollten wir auch seine Stellung im Unternehmen betrachten. In jedem Unternehmen, in dem es ein eigenes Amt "Personalchef" oder wie auch immer es tituliert wird, gibt, ist dieser relativ hoch angesiedelt. Nun könnte man das darauf zurückführen, daß "Human Resources" einfach entsprechend hoch angesehen sind, aber diese Möglichkeit möchte ich doch einfach gleich einmal ausklammern.
Wahrscheinlich liegt die recht hohe Einstufung einfach daran, daß es nun einmal ein Chef ist. Nichtsdestotrotz redet der Personalchef jetzt auf der höchsten Ebene mit. Das führt natürlich zu einem entsprechenden Legitimationsdruck - er muß beweisen, daß er seine hohe Position verdient.
Da er nicht irgendwas machen kann, muß er sich also in den Bereichen betätigen, die der Personalchef traditionellerweise abdeckt: Mitarbeiter motivieren, Personalführung, Personalverwaltung, Personalsuche und Einstellungsentscheidungen. Alles Bereiche, in denen er - ganz unabhängig von seiner Person und seinen Fähigkeiten - in der Regel eigentlich nur mehr schaden als nützen kann.
Aber irgend etwas muß er ja machen, und so entsteht eine Flut von Personalverordnungen, Personalmitteilungen, Regularien und was sonst noch alles. Nichts davon trägt effektiv dazu bei, daß das Unternehmen besser funktioniert.
Schlimmstenfalls muß er sich auch noch in das Verhältnis Betriebsrat - Unternehmensführung einmischen, schließlich ist er ja unternehmensseitig der für das Personal Verantwortliche. Dabei kann von vornherein gar kein natürliches Vertrauensverhältnis vorliegen. Der Betriebsrat kommt aus der Arbeit, und von der hat der Personalchef ja keine Ahnung, da fehlt schon die Grundlage zum Reden (Unterstellen wir einmal, daß beide grundsätzlich kommunikationsbereit sind). Übrig bleiben nur die Kampfpositionen, jeder vertritt seine Seite - und der Ärger ist vorprogrammiert.
Natürlich kann der Personalchef die Bedeutung seiner Aufgabe immer darlegen. Eine Flut von Veröffentlichungen, Fachzeitschriften, Seminarthemen und Veranstaltungen unterstützt ihn dabei (Anscheinend haben Personalchefs auch die Zeit dafür). Der Legitimatationsdruck zwingt ihn zu dieser Propagandaarbeit. Denn egal was er tut, er kann nie ein positives Ergebnis vorweisen. Er kann nur positive Ergebnisse behaupten. Er tut ja auch nichts, bezogen auf die Unternehmensziele. Und das personelle Zusammenwirken der Mitarbeiter muß von den direkten Vorgesetzten erbracht werden. Wenns die nicht schaffen, dann keiner.
Der Personalchef sitzt also zwischen allen Stühlen. Glänzen kann er nur mit Worten. Ernst nehmen kann ihn niemand, denn keiner braucht ihn. Es läuft letzten Endes auf eine einfache Feststellung hinaus: der Personalchef in seiner klassischen Rolle hat ausgedient.