Rechenexempel
Die direkten Personalkosten setzen sich mehr oder weniger wie folgt zusammen:
graphic Das Brutto-Gehalt.
graphic Die anteiligen Sozialversicherungskosten, die der Arbeitnehmer tragen muß.
graphic Die Kosten, um dem Arbeitnehmer einen Urlaub zu gönnen (in dieser Zeit wird er ja bezahlt, erbringt aber keine Arbeit. Ich rechne das Geld für diese Zeit also doppelt aus dem Lohn/Gehalt hinein).
graphic Die Kosten, die aus Arbeitsausfällen durch Krankheit entstehen (berechnet sich wie beim Urlaub, also doppelt).
graphic Die Kosten für Arbeitsausfälle durch Feiertage.
Um jetzt die direkten Personalkosten auszurechnen, gehen wir einmal von folgenden Rahmenbedingungen aus:
graphic Das Jahr hat ca. 260 Arbeitstage
graphic Im Durchschnitt fallen ca. 14 Feiertage auf einen Werktag. Hier sind alle Feiertage inkl. der nur regional geltenden eingerechnet (In den USA sind es immer noch 12 Feiertage!).
graphic Wir unterstellen, daß Sie 30 Tage Urlaub im Jahr haben.
graphic Wir unterstellen weiterhin, daß Sie 10 Werktage im Jahr krank sind.
graphic Es fallen damit 54 Tage im Jahr weg
graphic Sie sind gesetzlich krankenversichert, wir unterstellen dafür einmal 14% Beitrag auf das Bruttogehalt.
graphic Den Zuschlag zur Rentenversicherung kalkulieren wir mit 21% auf das Bruttogehalt.
graphic Und den Zuschlag zur Arbeitslosenversicherung kalkulieren wir mit 10% auf das Bruttogehalt.
graphic An Sozialversicherungskosten entstehen also 45% Zuschlag, davon übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte, sagen wir also 23%. Das ist so ziemlich das Maximum der möglichen Beiträge.
Der Kostenzuschlag für den Arbeitgeber berechnet sich damit also mit:
graphic Zuschlag: 23% für gesetzliche Sozialversicherungskosten
graphic Zuschlag: 14 / 260 * 100% = 5,4% für Feiertage
graphic Zuschlag: 30 / 260 * 100% = 11,5% für Urlaub
graphic Zuschlag: 10 / 260 * 100% = 3,8% für Krankheitsausfall
graphic In Summe: 43,7%
graphic
Wie kommt man auf 100% Zuschlag?
Zu den eben gerechneten direkten Kosten kommen jetzt noch Umlagen für (Lohn-)Buchhaltung, Aufenthaltsräume, Toiletten, Betriebsarzt, Sonderaufwendungen für Betriebsrat, Sondergratifikationen usw. hinzu. Diese Umlagen müßten aber über ein Viertel der gesamten Personalkosten ausmachen, um die 100% Zuschlag zu erreichen (100% Basis plus 43% Zuschlag plus X).
Ich weiß nicht, wie Ihre Firma aussieht, aber aus meinen Erfahrungen kann ich mir nicht vorstellen, daß Aufwendungen dieser Höhe entstehen. Die Gehaltsmodelle auf unterer Ebene sind in der Regel durch die Lohnbuchhaltungssoftware abgedeckt, mehr manuelle und damit ein guter Anteil der Buchungsaufwände entsteht eher bei den komplizierten Gehaltsmodellen der oberen Chargen. Außerdem möchte ich meinen, daß alleine z.B. die Toilettenausstattung für das höhere Management proportional gesehen deutlich teurer ist als die der Belegschaft.
Eine interessante Frage ist deshalb, ob die Personalkosten des Managements in die 100% angenommen Zuschlags mit eingeflossen sind. Wenn ja, wäre das ein übler Trick. Denn dann wirft man den Arbeitnehmern (und ihren Vertretern) vor, wie teuer sie sind, erhöht die vorgeworfenen Kosten aber gleich noch einmal mit den proportional höheren Anteilen des vorwerfenden Managements.
Natürlich kann man auch Kosten wie Licht, Heizung, Wasser, Arbeitsplatzausstattung in die Rechnung eingehen lassen. Das sind aber keine Kosten, die aus dem Personal entstehen, sondern Kosten zur Ermöglichung der Betriebstätigkeit. Sie müssen natürlich buchhalterisch irgendwo umgelegt werden, bei der hier diskutierten Betrachtung der Personalkosten dürfen sie aber nicht berücksichtigt werden - genauso gut könnten Sie dann auch alle Beschaffungskosten der Maschinen dem Personal zuschlagen.
Allerdings ist zu betrachten, ob hier erhöhte Kosten aus Arbeitsplatzvorschriften entstehen, das wirft aber wiederum die Frage auf, inwiefern sich die Arbeitsplatzausstattung und -sicherheit auf die Produktivität auswirkt. Die Frage ist einfach zu klären: schalten Sie Ihren Arbeitern das Licht ab, nehmen Sie Ihren Büroangestellten die Stühle und Tische weg, und betrachten Sie, was danach noch herauskommt. Also doch auch Kosten zur Ermöglichung der Betriebstätigkeit.
graphic
Um das Rechenexempel zusammenzufassen: Ich kann nicht ermitteln, wie Personalkostenzuschläge auf mehr als 50% kommen.
graphic
Was meint die Gewerkschaft?
Natürlich haben auch die Gewerkschaften als Arbeitnehmervertretungen eine Meinung zu dem Thema Personalkosten. Und soweit ich weiß, kommen diese wieder auf ein anderes Ergebnis. So typischerweise habe ich ca. 30%-35% "im Hinterkopf", kenne aber - genauso wie zu der "Arbeitgeber"-Zahl - keine nähere Begründung.
Das Ergebnis würde sehr gut zu der eben ermittelten Zahl von 43% passen, wenn man unterstellt, daß die Gesamtkosten von Lohn/Gehalt plus Zuschlag als Basis 100 genommen werden, und von dieser auf das Brutto-Gehalt rückgerechnet wird. 30%-35% auf diese Rechenweise entsprechen ca. 45% im umgekehrten Rechenweg.