Personalsuche
Personalsuche ist wohl eine der klassischen Aufgaben des Personalchefs. Eine, die unmittelbar bei ihm liegt, eine die unmittelbar seine Existenz rechtfertigt. Wo immer in der Firma ein neuer Mitarbeiter benötigt wird, der Personalchef hat die Aufgabe zu entscheiden, was in der Stellenanzeige steht und wo sie geschaltet wird.
Naja, beleuchten wir das doch etwas näher:
Der Personalchef kennt die eigentliche Arbeit ja nicht. Also läßt er sich eine Stellenbeschreibung geben. In der schreibt jemand, dessen Aufgabe es nicht ist, irgendetwas mehr oder weniger lieblos zusammen - der Personalchef wird sich ja sowieso darum kümmern.
Bei einfachen Stellen wird dann die firmentypische Standardanzeige daraus. Bei höher qualifizierten Stellen stellt entweder der Personalchef sein Unternehmen in den schönsten Farben dar (und wundert sich, wenn die neuen Mitarbeiter enttäuscht nach wenigen Monaten das Unternehmen verlassen) und/oder stellt ein Anforderungsprofil auf, das jenseits von gut und böse liegt. Oder es wird wieder eine firmentypische Standardanzeige daraus.
Eines dürfte uns jetzt schon klar sein: eine firmentypische Standardanzeige hätte ja auch das Sekretariat formulieren und schalten können.
Die beiden anderen Fälle - schöne Farben und übertriebenes Anforderungsprofil - sind sowieso offenkundig schädlich. Lieber eine fantasielose Anzeige als eine derartig danebenliegende. Wer Interesse an einem Job hat, geht nach dem, was in der Anzeige konkret an Fakten steht. Die beiden anderen Anzeigentypen schrecken eher ab. Im schlimmsten Fall bewerben sich die farbenprächtigen Nieten bei Ihnen, die noch nie kapiert haben, wie wenig sie auf der Pfanne haben. Qualifiziertes Personal sieht genauer hin!
Ich selbst zum Beispiel bewerbe mich grundsätzlich nie auf Anzeigen, in denen das Wort "ehrgeizig" oder "überdurchschnittlich engagiert" vorkommt. Denn bei (bewußter) Verwendung dieser Worte in einer Stellenanzeigen assoziere ich persönlich entweder "Kollege geht über Leichen"-Typ gesucht oder das Unternehmen quetscht die Mitarbeiter bewußt bis auf den letzten Blutstropfen aus. Danke, habe ich nicht nötig, und bisher hat mich wahrlich noch keines meiner Unternehmen als unterdurchschnittlich engagiert bezeichnet.
Natürlich gibt es einen himmelweiten Unterschied zwischen einer gut gemachten und einer schlechten Anzeige. Aber dann schalten Sie lieber eine Werbeagentur ein, die versteht sich wenigstens darauf, und lassen Sie Ihren Personalchef nicht auch noch sich als Marketingspezialisten versuchen müssen.
Jetzt kann es natürlich noch sein, daß Sie eine neue Führungskraft ganz oben suchen. Da geht es nicht mehr um eine normale Personalsuche, nein, da wird schon wirklich was verlangt. Also kein Fall für das Sekretariat, sondern echt was für den Personalchef. Wirklich?
Nun, mit ziemlicher Sicherheit wird Ihr Personalchef in diesem Fall auch nicht mehr nur einfach eine Anzeige schalten. Eher wird er wohl eine Personalberatung einsetzen. Aber sind Sie dazu nicht auch in der Lage? Und wer muß mit der so gefundenen Person denn später klarkommen? Sie oder Ihr Personalchef? Wäre es also nicht besser, Sie nehmen das Heft gleich in die Hand? Ihre Personalberatung wird so auf jeden Fall einen besseren Eindruck von Ihren Vorstellungen erhalten als mit dem Personalchef als Mittelsmann.
Machen Sie Ihren Führungskräften klar, daß sie selbst dafür verantwortlich sind, die Inhalte der Stellenanzeige zu definieren. Jede gute Sekretärin - und jede gute wird mir hier zustimmen - wird daraus auch eine ansprechende Anzeige machen. Sie nehmen Ihren Führungspersonal nur eine Ausrede ("der beschafft doch nie die Leute, die ich wirklich brauche") und ersparen sich dafür einen recht teuren Arbeitnehmer.
Verwechseln Sie nicht Einkauf und Personalbeschaffung. Beide machen Ähnliches, unterliegen aber jeweils anderen Gesetzmäßigkeiten.