Naturwissenschaft
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(06.02.00 - Autor: Olli)
graphicDava Sobel, William J.H. Andrews: "Längengrad"
Die Aufgabe ist einfach: Bauen Sie eine Uhr, die auf eine Sekunde pro Tag genau läuft. Egal wie feucht oder trocken die Luft ist, egal ob bei -10 Grad oder bei +40 Grad, egal ob bei ruhigem Meer oder auf stürmischer See, wenn Schiffe stampfen und gieren, dass sich niemand mehr auf den Beinen halten kann. Egal wie grob sie einmal täglich aufgezogen wird. Und dabei keine Wartung benötigt, und das über mindestens sechs Monate hinweg. Und bitte nur mit den Materialien und Werkzeugen des 18. Jahrhunderts.
Wozu? Damit Kapitäne endlich wissen, wo auf dem Meer sie sind. Damit sie wissen, ob die nächste Küste 100 Seemeilen oder 10 Seemeilen voraus liegt - ein Unterschied, der bei dunkler Nacht und Nebel lebenswichtig ist. So wichtig, dass die britische Regierung 1714 einen Preis von damals unglaublichen 20.000 Pfund ausschrieb, für eine Methode, "mit der der Längengrad bei einer Abweichung von maximal einem halben Grad zu bestimmen sei".
Dies ist "die wahre Geschichte eines einsamen Genies, welches das größte wissenschaftliche Problem seiner Zeit löste". Wenn Sie wissen möchten wie, dann besuchen Sie die alte Königliche Sternwarte in Greenwich, wo die Uhren heute noch laufen - oder lesen Sie dieses Buch.
graphicStephen Jay Gould: "Illusion Fortschritt"
Die Menschheit hat's schon schwer - erst nahm man ihr den Glauben an ihre gottbestimmte Sonderrolle: nein, nicht Gott höchstselbst schuf uns, sondern wir sind nur das Ergebnis jahrmillardelanger Evolution - und dann klaut uns Gould auch noch die Befriedigung, dass wir immerhin an der Spitze der Evolution stehen.
In diesem Buch geht es vordergründig um Evolution und Baseball, und das gut erzählt. Im Hintergrund geht es Gould aber darum, leise und dezent mit der Vorstellung aufzuräumen, dass Komplexität das Ergebnis eines zielgerichteten Fortschritts sein muß. Wenn der Großteil der Biomasse dieses Planeten seit Jahrmilliarden in einzelligen Lebewesen organisiert ist, wenn immer wieder hochkomplexe Organismen aussterben, ganze Entwicklungslinien nach zig Jahrmillionen im Staub der Vergangenheit versickern, warum halten wir uns dann eigentlich für das Ergebnis eines zielgerichteten "Hangs des Lebens zur Komplexität"? Sind wir und unsere geliebten hochentwickelten Säugetiere doch immerhin nur eine statistische Anomalie?
Wer in der Schule noch nie trockene Statistik mochte, der wird auch hier nicht damit konfrontiert, obwohl das Buch selbst darauf beruht. Aber wer denkt schon bei Baseball daran, wenn die Sonne heiß auf den Platz brennt und der Pitcher zum Aufschlag schreitet?
graphicErnst Peter Fischer: "Die Welt im Kopf"
Dieses hervorragend zu lesende kleine Büchlein beschreibt leicht verständlich, wie unser Gehirn seine Welt erschafft. Das Buch ist mit vielen Essays aufgelockert und macht sehr deutlich, wie geheimnisvoll noch immer die Koexistenz von Gehirn und Geist ist.
Wir wissen will, wie die Bilder der Welt und Weltbilder in seinem Kopf geschaffen werden, ist mit diesem Buch gut beraten.
Eine Kostprobe:
"Denn warm und kalt, blau und rot, all das gibt es außerhalb des Gehirns nicht. Farben, Töne, Wärme, Kälte gibt es nur im Kopf. Hier ist es schöner als draußen, wo sich nur Temperatur, Wellenlängen und Frequenzen von Luftschwingungen befinden. Stimmt das? Hatten wir nicht gesagt, im Gehirn gäbe es nur chemische Boten und elektrische Impulse? Und nun soll es da Musik und Farben geben, vielleicht auch Glück und Freude?"
graphicJohn Briggs, F. David Peat: "Die Entdeckung des Chaos"
Das gut lesbare Buch illustriert die Entwicklung und Schwerpunkte der Chaosforschung. Die jeweilige Thematik wird anhand von realen Gegebenheiten und Beispielen beschrieben und ist daher gut zu verstehen. Keine Formeln.
Empfehlenswert für jeden, der sich über die Chaosforschung informieren und dabei unterhalten werden will.
graphic??? "Chaos und Anti-Chaos" (Genauer Titel nicht mehr bekannt - Ute hats verschlampt)
Das Gegenbuch zu "Die Entdeckung des Chaos". Die Autoren meinen, daß seit der Chaos-Welle viel publiziert wird, was zum Teil streng genommen gar nicht zur Chaostheorie gehöre, und wehren sich. Eine differenziertere Darstellung über den aktuellen Stand der Chaosforschung.
Sobald wir das Buch wieder finden, wird der Eintrag hier aktualisiert.
graphicPeter Coveney / Roger Highfield: "Anti-Chaos. Der Pfeil der Zeit in der Selbstorganisation des Lebens"
Nein, kein weiteres Buch über die Chaos-Theorie. Die Autoren wagen den Versuch, aus den bekannten Phänomenen der Selbstorganisation den Ursprung der Zeit zu erkunden. Warum sind Vorgänge unumkehrbar? Warum empfinden wir die Zeit nur als in eine Richtung verlaufend? Was ist Zeit, wie wir sie erfahren, eigentlich?
Das Buch geht sehr stark auf die Selbstorganisation von komplexen Systemen ein und erläuternd anhand vieler interessanter Beispiele den aktuellen Kenntnisstand. Ein paar Ausflüge in die Quantentheorien und den Verlauf der Physik-Wissenschaften der letzten 100 Jahre sind mittlerweile in fast jedem naturwissenschaftlichen Buch obligatorisch, hier aber auch Voraussetzung für das Verständnis der Argumentation.
Hochinteressant, verständlich und lehrreich.
graphicHermann Haken: "Synergetik: Die Lehre vom Zusammenwirken"
Dieses Buch erläutert das Auftreten und die Gründe von Selbstorganisation in komplexen Systemen. Sehr schön sind nicht nur die Beispiele, sondern auch die möglichen Anwendungsgebiete wie Gesellschaft (wie verhalten sich große Menschenmengen, wie organisieren sich ihre Bewegungen zum Beispiel bei der Flucht aus einem brennenden Gebäude). Im Gegensatz zu "Anti-Chaos" konzentriert sich das Buch vollständig auf die Synergetik.
Interessant, verständlich und lehrreich. Wer sich nur über die Synergetik informieren will, ist mit diesem Buch besser beraten als mit "Anti-Chaos".
graphicWerner Heisenberg: "Der Teil und das Ganze"
Wer die rasante Entwicklung der Physik in den letzten 100 Jahren aus dem Sichtwinkel eines Augenzeugen betrachten will, sollte sich dieses Buch zulegen. Welche Menschen waren das, die alte Denk- und Lehrgebäude umstürzten und neue schufen? Heisenberg beschreibt selbst, wie er diese Zeiten empfand.
Ein sehr persönliches Buch.
Eine Kostprobe:
"So ging die Diskussion über viele Stunden des Tages und der Nacht, ohne daß es zu einer Einigung gekommen wäre. Nach einigen Tagen wurde Schrödinger krank, .. er mußte mit einer fiebrigen Erkältung das Bett hüten. Frau Bohr pflegte ihn und brachte Tee und Kuchen, aber Niels Bohr saß auf der Bettkante und sprach auf Schrödinger ein: 'Aber Sie müssen doch einsehen, daß...'"
graphicStephen W. Hawking: "Eine kurze Geschichte der Zeit. Die Suche nach der Urkraft des Universums"
Ein großartiges Buch über den aktuellen Stand der Quantentheorie, der Allgemeinen Realativitätstheorie, der Kosmologie und dem Zusammenhang zwischen exotischen Phänomenen wie Schwarzen Löchern und der Zukunft des Universums.
Ich glaube, das Buch ist bereits jetzt ein Klassiker (wenn auch vielleicht schon in dem ein oder anderen Punkt überholt). Einige der Schlußfolgerungen Hawkings sind meines Wissens nach nicht ganz so unumstritten, wie im Buch geschildert, aber im großen und ganzen sehr empfehlenswert.
graphicRudolf Kippenhahn: "Der Stern, von dem wir leben"
Das Buch versteht es ausgezeichnet, aus dem kleinen gelben Fleck am Horizont ein aufregendes Abenteuer zu machen. Gleichzeitig ist es sehr leicht verständlich. Mit viel Liebe wird der Weg vom Mythos zur naturwissenschaftlichen Erforschung aufgezeigt.
Wenn Sie wissen wollen, was nur ein paar Hundert Millionen Kilometer entfernt brodelt, dann ist dieses Buch genau das Richtige für Sie.
graphicRobert Decker, Barabara Decker: "Vulkane"
Was geschah am Mount St. Helen wirklich? Wie können die hawaianischen Vulkane jahrelang regelmäßig riesige Mengen Lava fördern? Wie entstehen Vulkane? Was spielt sich im Untergrund haben. Worauf sitzen wir eigentlich?
Wenn Sie mehr über die Feuerberge wissen wollen, dann können Sie mit diesem Buch gut beginnen.