Mythos: Feiertage und Urlaub
"Also, im Ausland, da gibt es schon einmal keine Feiertage. Und Urlaub machen die Leute ja auch nicht. Nee."
Also, ich weiß, daß die USA zwölf feste Feiertage haben. Alle am Werktagen. Immer. In irgendeinem meiner Reiseführer USA stehen sie alle drin.Wir haben im Schnitt 14 bis 16 Tage im Jahr (wegen der beweglichen Feiertage liegt es irgendwo dazwischen).
Von anderen Ländern habe ich leider keine Listen. Aber einmal ehrlich: bei 260 Werktagen im Jahr ist ein Tag mehr oder weniger doch nicht mehr das Problem? Wenn der Chef Ihres Laden (Sie selbst?) einen Planungsfehler machen, dann kostet das doch schon mehr - und es gibt bestimmt einen, alles andere wäre unmenschlich.
Dann gibt es sowas wie eine physiologische Leistungsgrenze. Die definiere ich als die Grenze, ab der Sie nur noch Routinearbeiten machen können. Und die liegt auf Dauer bei sechs bis acht Stunden am Tag. Ich kenne es von Softwareentwicklern, die jeden Tag mehr Arbeit leisten, daß nach sechs Stunden irgendwie die Kreativität weg ist. Dann können Sie noch ein, zwei Stunden Routine und Krimskrams machen, und in der Zeit danach produzieren sie dann die Fehler, die sie am nächsten Tag in ihren Überstunden ausbessern. Und ich bin überzeugt, auf Dauer geht es jedem so (innerhalb der Bandbreite menschlicher Abweichungen).
Soviel also zur Bewertung der reinen Arbeitszeit und nicht der abgewickelten Arbeit. Wenn es nun auch noch weniger Freizeit in Form von Urlaub und Feiertagen gibt, die eine gewisse Rekreation zulassen, dann folgt daraus eine Reaktion, die sich recht gut in den Worten zweier Bekannten zusammenfassen lassen, die beide je ein halbes Jahr in den USA arbeiteten: "Da gibt es dann die Private Holidays" - Private Holidays als Gegensatz zu den Public Holidays ist eine Art stehender Begriff und bedeutet "dann holt man die Zeit 'halt während der Arbeitszeit heraus".
Dem muß ich wohl nichts mehr hinzufügen?