Mitarbeiter motivieren
Der Personalchef hat sich um die Motivation der Mitarbeiter zu kümmern. Das ist ganz sicher eine der typischen Aufgabenbeschreibungen eines Personalchefs. Was bedeutet das für ihn?
Das heißt in einfachen Worten ausgedrückt, er soll sich darum kümmern, daß die Mitarbeiter mit Freude oder wenigstens mit Fleiß oder wenigstens mit Engagement oder am besten allem zusammen an die Arbeit herangehen (je nachdem, was Sie persönlich jetzt unter Motivation verstehen). Um das zu bewirken, muß ich den Mitarbeiter irgendwie dazu bringen, mehr von irgendwas zu geben (je nachdem, was der Mitarbeiter unter Motivation versteht).
Kann ich das mit irgendeinem Stück Papier erreichen, in dem steht, daß sich die Mitarbeiter mehr anstrengen müssen? Oder mit einem tollen Geschäftsbericht? Nein, die einzige Möglichkeit dazu ist, den Mitarbeiter in seiner Person anzusprechen und ihm als Person die innere Überzeugung zu vermitteln, das es ihm selbst etwas bringt, sich mehr anzustrengen. Das muß nicht um Geld gehen, es kann auch einfach der Wille sein, dieses Projekt oder diese Arbeitsvorgabe verdammt noch einmal zu packen - "Ich kann das, ich werds Euch beweisen, ich mache es!".
Dazu muß man mit dem Mitarbeiter schlichtweg SPRECHEN. Jede, aber auch wirklich jede andere Form der Kommunikation spricht ihn per se bereits nicht mehr als Person, das heißt persönlich an. Das sind mit Sicherheit dann keine geeigneten Voraussetzungen, jemanden zu motivieren. Das beliebte Rundschreiben der Art: "wir stehen auch im nächsten Jahr vor großen Herausforderungen, wissen aber, daß jedermann sein Bestes geben wird, um unser gemeinsames Ziel - 10% mehr Produktionsausstoß - zu erreichen" ist wirklich nur dumm. Die Hälfte der Arbeitnehmer wird sich erst darüber lustig machen und dann darüber ärgern, die andere Hälfte wird das Pamphlet von vornherein auf der Toilette zur weiteren Verwendung aufbewahren. Und jeder wird sich fragen, warum das sein persönliches Ziel sein sollte - wer hat das überhaupt als gemeinsames Ziel definiert?
Kann der Personalchef also für die Mitarbeitermotivation verantwortlich sein?
"Nein!" kann unsere Antwort doch nur lauten. Er kennt in der Regel weder die Mitarbeiter, erst recht versteht er nichts von ihrer Arbeit, und schon gar keine Ahnung kann er davon haben, was den einzelnen am meisten bewegt (Familie, Status, Sicherheit, oder...). Aus dieser Lage heraus die Mitarbeiter zu motivieren, ist genauso wie die Quadratur des Kreises zu versuchen. Nämlich unmöglich.
Was ist das Ende dieses Liedes?
Das Personalbüro, in seinem Rechtfertigungszwang, auch einen Beitrag zur Motivation zu leisten, verfaßt irgendwelche Pamphlete, in denen die Mitarbeiter dazu angehalten werden, mehr zu leisten. Die selbst sind sauer, daß immer nur mehr aus ihnen herausgequetscht werden soll - genau so wirkt das nämlich bei unpersönlichen Kommunikartionskanälen, selbst wenn es gar nicht beabsichtigt ist - und interessieren sich folglich mehr und mehr nur noch für eines: was springt denn für uns dabei heraus? ausgedrückt im zum Schluß kleinsten gemeinsamen Nenner: Geld. Zum Schluß ist das Unternehmen in dem Teufelskreis gefangen, daß die Möglichkeit, zu motivieren, von keiner Seite mehr gesehen wird ("Die wollen doch sowieso nur mehr Geld" versus "Die wollen doch nur mehr rauspressen").
Bei wem ist dann "Motivation" richtig aufgehoben?
Das ist doch eigentlich eine einfache Frage: wer ist denn der einzige, der die Arbeit und den Mitarbeiter kennt bzw. kennen kann?
Richtig, der direkte Vorgesetzte. Wenn der das nicht kann, dann schafft es auch niemand sonst. Bevor Sie also Ihren Personalchef mit Aufgaben betrauen, die er gar nicht erfüllen kann, sorgen Sie besser dafür, daß Ihr Führungskader seinen Aufgaben gewachsen ist.