Einführung
Was halten Sie davon:
Mit der Einführung der neuen Gabelstapler plant das Unternehmen Hohnlacher & Co seine Auftragsdurchlaufzeiten fast zu halbieren. "Die neuen Staplermodelle erreichen die doppelte Fahrgeschwindigkeit der alten Modelle" so der Fertigungsleiter. Und weiter: "Ungefähr zwei Drittel der Durchlaufzeit sind reine Transport- und Liegezeiten, es liegt auf der Hand, dass eine höhere Fahrgeschwindigkeit deutliche Beschleunigungen erbringen muß."
Hier liegt wohl nur eines deutlich auf der Hand... Aber hören wir uns das Ganze doch einmal so an:
Mit der Einführung des neuen EDV-Systems plant das Unternehmen Strahlemann KG die Zeitaufwände für die kaufmännischen und warenwirtschaftlichen Abläufe um 50% zu reduzieren. "Die alte EDV ist bedienungsunfreundlich und nicht mehr flexibel genug" so der EDV-Leiter. Und weiter: "Ungefähr die Hälfte unserer Arbeitszeit wird zur Steuerung von Abläufen ausserhalb unseres EDV-Systems benötigt, es liegt auf der Hand, dass eine modernere EDV uns hier viel Aufwand abnehmen wird."
Na, das klingt doch irgendwie viel besser. Aber was ist daran anders?
Im ersten Kommentar wird den meisten Menschen wohl recht schnell klar, dass hier die Bezeichnung des Problems - Fahr- versus Transport- und Liegezeit - mit dem Problem an sich verwechselt wurde - warum bleiben die Waren eigentlich so lange liegen? Konsequenterweise wird nach dem falschen Mittel gesucht: anstatt (zum Beispiel) die interne Kommunikation zu verbessern, wann Ware zur Abholung bereitliegt, soll ein schnellerer Stapler die paar Minuten Transportzeit bis zur nächsten (Ab-)Liegestelle verkürzen - was natürlich nichts daran ändert, dass die Ware bis dahin ein paar Stunden lang herumliegt.
Im zweiten Kommentar achtet im ersten Moment aber wohl kaum jemand darauf, dass das Werkzeug - die EDV, wohlbekannt als Mittel zur Organisation von Unternehmen - mit dem Problem verwechselt wird: der schlechten Organisation.
Es gibt natürlich auch Unternehmen, wo die alten Stapler oder die alte EDV so sehr in den Nähten krachen, dass diese tatsächlich das Problem sind. Aber hier geht es um die neunzig Prozent derer, bei denen das nicht das Problem ist.
Eine Organisation benötigt immer Hilfsmittel, um seine Probleme zu lösen. Das Hilfsmittel ist aber nicht die Lösung, sondern ausschließlich dessen richtiger Gebrauch.
Aber hier sprechen wir doch von EDV - richtigen Systemen mit Materialflußsteuerung, Warenwirtschaft, Buchhaltung usw.! Das muss doch sicher seinen Eigenwert haben? Seien Sie da nicht so sícher. Zu jeder Zeit wurden die damals modernsten Hilfsmittel als das nonplusultra schlechthin betrachtet, mit "eigenem Wert". Die Zeit danach mit der besseren Technik hat dann immer über den Glauben an diese (veraltete) Technik gelächelt.