Die Wahrheit
1966 bis 1985
In Lichtenfels/Oberfranken geboren, dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Keine weiteren weltbewegenden Ereignisse.
1987
Im Zuge der fränkischen Entwicklungshilfe für Zonenrandgebiete ins Schwabenland abgereist. Zur besseren Tarnung meiner Rekogniszierungstätigkeit schrieb ich mich als Student für Wirtschaftsinformatik an der FH Reutlingen ein.
1990/1991
Endlich ist das Studium beinahe vorbei. Nur noch die Diplomarbeit steht an. Ich habe auch das Glück und bekomme eine recht interessante Arbeit in einem gerade neu anlaufenden Projekt. Es lief auch alles ganz gut, ich bin mit der eingesetzten 4GL-Sprache recht schnell zurecht gekommen und konnte meinen Teilbereich recht selbständig abarbeiten.
Also blieb ich auch nach der Diplomarbeit bei der Firma, außerdem finde ich Warenwirtschaftssysteme recht interessant - mancher liebt seinen Blechhaufen und wäscht ihn wöchentlich, ich mag es halt zu sehen, wie Informationen raffiniert hin und her fließen.
Dann wurde ich aber doch noch mit der rauhen Wirklichkeit der Software-Entwicklung konfrontiert. Der Projektleiter ging, ein neuer kam nicht (das ganze Team bestand nur noch aus Berufsanfängern, inklusive mir), und ich machte mich also zum erstenmal mit dem Fachkonzept und der Programmierung außerhalb meiner Brille bzw. meines bisherigen Bereichs vertraut.
Kurz gesagt, war es die übliche Phase, die jeder EDVler am Anfang hat. Entweder
graphic wirft man die gelernten theoretischen Vorstellungen seiner Professoren über systematische Systementwicklung als nette Gedankenspielerei über den Haufen, und akzeptiert damit einfach die intuitive Arbeitsweise, deren Ziel die möglichst schnelle Erstellung möglichst vieler Programmzeilen ist (sprich: total chaotisch, hirnlos, und mit der Nase auf dem Boden).
graphic oder man sagt sich, daß zum Programmieren einfach erst das Denken und irgendwann ganz am Ende das Tippen gehört.
Glücklicherweise entscheiden sich die meisten für die erstere Vorgehensweise. Das versetzt mich in die Lage, auf meinen Homepages wunderbare, aufrüttelnde und aufregende Artikelchen über Systementwicklung zu schreiben.
Wir beschritten also den umgekehrten Weg, dachten erst darüber nach, welche Probleme unsere 4GL wie am besten für uns löst, füllten einige Lücken im Fachkonzept, mixten noch wichtige Systembestandteile dazu und waren bereit, Berge zu versetzen!
Große Berge. Wirklich sehr große Berge.
Leider hätten wir dazu so ziemlich alles umschmeißen müssen (Hochhäuser kann man nicht auf den Fundamenten von Blockhütten bauen).
Nach einem halben Jahr kam dann also der Showdown: Entweder ein guter Projektleiter kommt, der aus den bestehenden Programmen was machen kann, oder wir stellen die Entwicklung um, oder ich gehe. Nun ja, keiner unserer innovativen, riskofreudigen und nach neuen Business- Chancen suchenden deutschen Bosse ändert ein Projekt, wenn bereits eine Menge Geld hineingesteckt wurde, selbst wenn keiner mehr weiß, wie man einen Erfolg daraus machen soll ("Durchhalten! Durchhalten! Der Endsieg kommt noch.").
Also ging ich, und vier Monate später ging leicht unfreiwillig auch der Chef und das Projekt wurde eingestampft.
Der Frust packt mich heute noch, wenn ich an die ganze Geschichte denke, und mir versetzte es die felsenfeste Überzeugung, daß es gehen MUSS, Softwaresysteme genauso wie komplexe Industrieprodukte (Autos, Flugzeuge, Schiffe) systematisch zu planen und zu erstellen (klammern wir einmal den Elchtest aus). Da käme heute ja auch keiner mehr auf den Gedanken, sowas handverlesen von Handwerkern und Schmieden zusammen basteln zu lassen. Uns fehlt einfach noch die industrielle Revolution in der Softwareentwicklung
Noch 1991
Ganz zwangsläufig fing ich also noch in diesem Jahr bei einem anderen Unternehmen an, diesmal als Netzwerk-Administrator. Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht, schließlich wußte ich damals von PCs nicht viel mehr, als wie man sie anschaltet (EDV ist soooo ein Riesenthema, und PCs sind nun einmal nur ein kleines Teilgebiet davon - und außerdem ja bloß Maschinen).
Das Nichtwissen hat mir nachträglich aber am meisten geholfen, denn anstelle mich auf Feature x, Jumper hier und Steuerflag dort einzulassen (kannte ich ja nicht) mußte ich mir erst einmal Gedanken machen, wie ich all den Leutern all die wunderbaren Programme (die sie eh nur zu 10% bedienen können) mit möglichst geringen Aufwand zur Verfügung stelle.
War eigentlich nicht schwer, wenn man sich erst einmal mühsam durch die (damals unter Win 3.1 noch möglichen) Netzwerks-Installationsroutinen gehangelt hatte. Nach dem dritten Versuch war alles perfekt. Die PCs fuhren nur noch ihr dummes Betriebssystem, Desktop-Konfiguration und Programme waren ihm Netz. Jeder konnte an jeden PC mit seiner persönlichen Konfiguration arbeiten.
Hatte einer seinen PC-Desktop zerstört - man kann ja so produktiv an den Farben und Icons und sonstwelchen Blödsinn stundenlang herumspielen (vor allem besonders wichtige Leute: machten dauernd Überstunden, weil sie soviel Arbeit hatten - und dann stürzt die Maschine nach einer Stunde Farbeinstellungen auch noch ab) - mußte ich nur noch die im Netz liegende Referenz - Installation auf den Userbereich überspielen. Updates? Einfach eine neue Referenz zusammengestellt und verteilt. Heutzutage nennt man das ganze Zero-Administration-PC und hats doch tatsächlich geschafft, das Anwendern als teure Tools zu verkaufen.
Was ebenfalls sehr lehrreich war: Man sieht Software (ein PPS-System) auch einmal intensiver aus Sicht des Anwenders. Es ist doch echt stark, wenn man einen neuen Release bekommt und die Datenbestände sind nach 16-stündigem Einspielen zerhackt.
Mann, was haben wir da gemeinsam gelacht!
Und nachdem das Ganze doch noch lief, durften wir zu unserer Freude und Erbauung alle Fehler der Programmierer suchen und melden. Da kamen wir uns glatt wie zu Ostern vor. Für das Privileg, fehlerhafte Software testen zu dürfen, war natürlich ein kleiner Dankbarkeitsobulus zu entrichten, den man Wartungsvertrag nannte.
Ich verstehe bis heute nicht, warum unsere Automobil-Unternehmen diese Marktlücke noch nicht entdeckt haben:
Die Autos einfach viel mieser bauen, den Kunden die erregende Freude geben, am Stammtisch vergnügt über die Macken des neuesten Modells zu diskutieren ("Bei der XY-GTi-TurboVX-Variante explodiert der Motor, wenn man vom zweiten in den dritten Gang schaltet, ohne voher 3 sek. lang die Hupe zu betätigen"), und per monatlichen Wartungsvertrag einmal im Quartal eine Geschenkpackung Bugfixes zuverteilen - natürlich nur als kostenpflichtiger abholbarer Bausatz für den Eigeneinbau ("Bugfix zu: linker Blinker tut nicht, wenn zuvor nach rechts geblinkt wurde").
Außerdem machte ich es mir zur Angewohnheit, abends gelegentlich noch einmal durch die Abteilungen zu laufen und mit den Leuten einfach über ihre Arbeit zu quatschen - es ist erstaunlich, wieviele offene Fäden man in einem Unternehmen zusammenfügen kann, wenn man sich nur einmal die Mühe macht, über die Grenzen einer Abteilung zu sehen. Da arbeiten Maier und Müller an der gleichen Sache, Kunibert schimpft über Kunigunde und umgekehrt, dabei könnte mit ein wenig Kommunikation viel verbessert werden.
Jedes Unternehmen über 150 Mitarbeitern sollte eine Stelle haben, die nur damit beschäftigt ist, jeden über jedermanns aktuelle Tätigkeiten zu informieren. Dann würde viel mehr von selbst und ohne teure Unternehmensberater - Experimente zusammenlaufen. Warum meinen wir Deutschen bloß, mit seinen Kollegen redet man nur über wichtige Angelegenheiten? Da kann ja keiner mitbekommen, was ihn betrifft und von mir nur mangels Durchblick als "nicht so wichtig" unter Verschluß gehalten wird.
Nebenbei erarbeitete ich ein Pflichtenheft für ein Kundeninformationssystem, KISS genannt. Wurde in Teilen extern programmiert, kam aber leider nicht in den praktischen Einsatz (Jo, bin halt' auch nicht perfekt).
1993
Ute und ich kommen zusammen. Kennengelernt hatten wir uns ja bereits 1991. Anschließend hielten wir noch Kontakt, und jetzt wurde er doch enger... sehr eng, hjaaaeeeeng!
Doch sie hat noch Konkurrenz: Diese heißt Texi, hat wunderbare Augen, eine tolle, niedliche Figur, eine helle, klare Stimme, vier Pfoten und ein schwarz-weißes Fell. Ja, eine Katze, genauer ein Kater, gerade sechs Wochen alt. Der Name Texi war einfach zu finden: mein erstes (gescheitertes) Projekt.
Noch 1993
Ute und ich wohnten zu diesem Zeitpunkte so ca. 100 km auseinander, und das war auf die Dauer doch störend. Also stand so langsam wieder ein Umzug an. Da ergab es sich ganz geschickt, daß die Aufgaben in der Firma nach der Einrichtung des Netzwerkes immer interssanter wurden: "Mein Drucker tut nicht. Kann das sein, weil kein Papier mehr darin ist?". Diese waren also nicht immer "einem Wirtschaftsinformatiker adäquat" (einfach nur auf einem Job herumhängen will ich wirklich nicht), also einen Nachfolger geschickt besorgt und wieder zurück in die Software - Entwicklung gegangen. Diesmal ging es um eine Fertigungssteuerung, die an ein bestehendes Warenwirtschaftssystem gekoppelt werden sollte, und die wir zu dritt entwickeln sollen.
Tja, die Software wurde bis 1995 fertig und ging auch in den Einsatz. Sie läuft heute noch, anscheinend problemlos (laut Aussage meiner Ex-Kollegin (Stand Ende 1998)).
Besonders schön: ich konnte einen Teil meiner Ideen vom ersten Projekt umsetzen (sie funktionierten!), und von Ideen meiner Kollegen auch noch einmal kräftig dazulernen - man bleibt ja nie stehen.
1994
Die zweite Katze tritt in unser gemütliches Leben. Sie heißt - ja richtig: Kiss, nach dem zweiten (gescheiterten) Projekt. Der Kater bleibt die ersten Monate nur in der Dachwohnung und besteht also gewaltige Abenteuer auf dem heißen Dach. Nachdem wir aber der ersten Katze wegen (und aus anderen Gründen) in eine praktische Erdgeschoßwohnung umgezogen sind (Texi bestand sehr nachdrücklich auf regelmäßigen Naturlehrgängen) durfte auch Kiss herumschweifen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte er sich zum Serienkiller und bringt täglich mindestens ein Andenken mit -  manchmal auch bereits halbverdaut (Rattenknochen in eigenem Fleischsaft und mit einem Spritzer Magensäure auf der Bettdecke - Iiiiiiiiih!).
1995
Im Frühjahr machen wir einen richtig dicken Neuseeland - Urlaub. Das ist doch tatsächlich mein erster richtiger Urlaub, seit ich vierzehn bin.
Es geht weit weg, es geht richtig lange, es ist richtig gut!
Ebenfalls 1995
Es ist Zeit zu gehen und neue Wege zu beschreiten. Nachdem
graphic die Fertigungssteuerung weitestgehend fertig ist
graphic ich mehrmals Kurzarbeit genießen durfte
graphic eine gemeinschaftliche Gehaltsstundung zur Unterstützung des Unternehmens wohl auch in den nächsten 100 Millionen Jahren nicht mehr zurückgezahlt wird
graphic das Unternehmen nach langem Hin und Her und Ausbootung des eigentlichen Eigentümers an eine andere Firma verkauft wurde, die ein wirklich tolles Konzept aufstellte, dieses aber nicht realisierte
(Der Eigentümer hatte sich wirklich mit seinem Privatvermögen noch mal sehr kräftig ins Zeug gelegt. Der Lohn: ausgerechnet die langjährigsten Mitarbeiter nannten ihn (heimlich) einen Abkassierer und verwiesen gelegentlich andeutungsvoll und ahnungsschwanger auf Wunder welche Ländereien in Spanien, die sie zwar nie gesehen hatten, von denen sie aber zuverlässige Aussagen (voneinander?) hatten - anhand der Schilderungen durfte "man" sich sowas wie das ehemalige britische Kolonialreich in Indien vorstellen.)
graphic und überhaupt vieles nach dem Motto verlief: wir sind die besten, ignoriert die Unternehmenszahlen.
...dachte ich mir, daß doch eigentlich bei den Anwendern ein echter Bedarf an wirklich nutzenorientierter EDV-Beratung besteht. Teure PCs und Software können sie ja überall kaufen, aber was bringt das effektiv dem Unternehmen? Eine dreitausend Mark teure Schreibmaschine auf dem Tisch ist irgendwie nicht rentabel, nicht gerechnet die Einarbeitungs- und laufenden Betreuungskosten.
Also fasse ich den Beschluß, ab 1.1.1996 selbständig tätig zu werden. und kündige folgerichtig Mitte Oktober 1996.
Zwei Wochen später geht die Firma überraschend konkurs. Interessanter Fakt am Rande: Noch im August wurden neue Mitarbeiter eingestellt und die GL erzählte allen, daß wir den besten Monatsabschluß in den letzten Jahren gehabt hätten. Hahaha.
Mit meiner Kündigung gucke ich natürlich bezüglich Abfindung dumm in die Wäsche. Wie sich zwei Jahre später nämlich herausstellt, kamen noch ganz interessante Summen aus der Konkursmasse heraus. Pech.
1995 auf 1996
Texi verschwindet. Am 23.12.1995 geht er normal aus, aber kommen tut er nicht wieder. Such- und Zettelverteilaktionen bringen nichts. Nachdem die Temperaturen in den Folgewochen immer tiefer fallen (bis minus 20 Grad), geben wir die Hoffnung auf. Fast vier Wochen später geht nachts plötzlich das Terassenlicht an und er steht vor der Tür, abgemagert auf ein Drittel seines Gewichts, schwer humpelnd. Beim Tierarzt stellt sich ein komplizierter Bruch am linken Hinterlauf heraus, der erst einige Wochen später in einer mehrstündigen Operation gerichtet werden kann.
Anscheinend ist er angefahren worden und hat sich dann die ganze Zeit ohne Fressen verkrochen, bis der Knochen weit genug war, um wieder zurückhumpeln zu können. Bei dieser Kälte! Hätten Sie's geschafft?
Noch 1996
Kiss verschwindet ebenfalls. Wieder Such- und Zettelaktion, diesmal meldet sich nach einigen Wochen jemand, der glaubt, er hätte die Katze ein paarmal morgens bei seiner Terasse gesehen. Futter aufgestellt und Fangbox besorgt, mehrere Nächte lang regelmäßig kontrolliert - kein Ergebnis, kein Kiss.
Ich wollte, ich hätte einen Funkpeiler für das Halsband, es ist einfach beschissen, wenn man nie weiß, wo die Tiere stecken.
Als Ausgleich kommt einige Wochen später ein neuer Kater ins Haus, der Kiss sehr ähnlich sieht (Ergebnis einer Zeitungsannonce), alleine und hilflos bei einer Schule aufgefunden wurde und ganz eindeutig eine Kinderkatze ist. Der Name richtet sich diesmal nicht nach meinen Projekten (zur Zeit ist kein gescheitertes verfügbar), sondern wir wählen aufgrund eines kleinen Türkei-Urlaubes das Wort "Raki" als geeignete Bezeichnung aus.
1997
Die Sache als selbständiger Berater klappt nicht. Entweder interessiert sich wirklich kaum jemand für eine unabhänge EDV-Beratung (A:"Wir wollen EDV kaufen" - B:"Nein, ich bin dafür da, Ihnen bei der optimalen und produktiven Nutzung zu helfen" - A:"Wozu ist das gut?") oder ich bin in in der Akquise zu schlecht. Schade, hätte so schön sein können. Aber Verluste anhäufen ist auch nicht der Sinn des Lebens, also sehe ich mich nach einem neuen Arbeitgeber um.
Ich fange an, mich auf dem Markt umzusehen, bin aber etwas skeptisch, weil der Lebenslauf formal gesehen nicht gut aussieht (trau keinem Personalchef). Tatsächlich kommt aber gute Resonanz.
Hey, wie oft finden Sie jemanden, der mit 4GLs klarkommt, die Anwenderseite kennt, sowohl mit Warenwirtschafts- und Fertigungssystemen recht intimen Kontakt hatte, Pflichtenhefte, Handbücher und Prospekte schreibt, und genügend von Kostenrechnung versteht, um Erstellungs-, Wartungs-, Gesamtkosten und sogar Umsatz und Ertrag voneinander zu unterscheiden !
Außerdem weiß ich alles besser :-)
Herbst 1997
Arbeite seit dem 01.10.1997 wieder als Software - Entwickler mit meiner traditionellen UnifAce 4GL. Kollegen sind bestens, Arbeit hat's viel (mehr als mir lieb ist), und in die Software komme ich ganz gut rein (2400 Einzelprogramme). Die Arbeit geht richtig heftig los und ich werde gleich bei einem größeren Kunden eingesetzt. Der besteht praktisch aus drei Einzelunternehmen und bis Ende 1998 wird die ganze Angelegenheit deshalb sehr, sehr arbeitsintensiv - aber leider auf die mehr frustrierende Art.
Im Dezember komme ich zum erstenmal ein wenig zur Ruhe: ein paar hundert Überstunden, Magenschmerzen, Herzschmerzen, schlechter Schlaf - das kann es nicht sein. Meine Göttergattin habe ich vier Monate lang praktisch nur am Wochenende gesehen (Deshalb hat sich an dieser Homepage in dieser Zeit auch kaum noch etwas getan).
Also schaue ich mir wieder den Markt an. Begeistert bin ich an sich nicht, denn das Arbeitsklima ist toll und vom Know How her bin auch richtig gut eingearbeitet. Außerdem kann ich meine Arbeit mittlerweile frei so gestalten und verteilen, wie ich es für richtig halte. Aber auf der anderen Seite drohen die nächsten großen Aufträge... und gesundheitlich möchte/kann ich das nicht nicht noch einmal mitmachen. Außerdem habe ich aus den 18 Monaten noch 24 Urlaubstage frei, die ich genießen möchte.
Frühjahr 1999
Habe einen neuen Vertrag bei einem mittelständischen Systemhaus mit dem Standardprodukt NAVISION. Das Produkt hat über 35000 Kunden weltweit. Die Software ist schlichtweg sauber, leistungsfähig und bedienbar. Konnte es kaum glauben, aber die sogar die Demo-CD beeindruckte mich bereits. War jetzt vier Wochen nacheinander auf Schulung (kann es kaum fassen), und mein Eindruck ist noch besser geworden. Schätze, meinen nie fertig gestellten Artikel über industrielle Software-Entwicklung muß ich jetzt entweder fertigstellen (weil ich recht habe) oder einstampfen (wozu noch?). Besuche ab und zu noch meine früheren Kollegen, einfach um zu sehen, wie es bei Ihnen weitergeht.
Drückt mir die Daumen, daß es diesmal klappt!
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Ein wenig Statistik
Rechne ich die beiden Praktikas des Studiums (je sechs Monate) hinzu, dann sind von den sechs Unternehmen, bei denen ich im Laufe der Zeit gearbeitet habe:
graphic Zwei gar nicht mehr existent
graphic Eines erst verkauft und dann Konkurs gegangen (danach in Teilen wieder verkauft worden)
graphic Eines fast Konkurs gewesen (aber erst nach meiner Zeit), dann verkauft und dann wieder knapp am Konkurs gewesen
Sichere Arbeitsplätze?
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Beruf und Leben
Tja, wahrscheinlich war das Euch jetzt zu berufslastig. Tut mir leid, aber ich mag mein Tätigkeitsfeld, und ich finde EDV absolut nicht trocken. Ich kann mich stundenlang in den Unsinn hineinsteigern, den andere verzapfen (ich selbst natürlich nie) und Systeme zu konzipieren ist für mich einfach dasselbe, wie dem Künstler seine Arbeit an der Töpferscheibe. Allerdings muß ich zugeben, daß ich Computersysteme auch nicht leiden kann. Machen nichts als Ärger... aber vielleicht funktionieren sie ja irgendwann einmal.
Außerdem haben Ute und ich auch sonst noch recht viel Spaß, von dem Ihr gar nichts zu wissen braucht, und zusammen mit unseren 2000 Büchern und der Reutlinger Stadtbibliothek, dem Stapel Reiseführer zum Träumen und meinen Miezen gibts auch wirklich genügend andere Dinge, mit denen ich meine Zeit verbringen kann.
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Weitere Aussichten
Ute und ich haben dauernd Ideen für neue Projekte - leider setzen wir so gut wie nichts wirklich um. Eine Patentanmeldung ist kürzlich (nicht ganz billig) geplatzt, seitdem trauen wir uns an die anderen ein, zwei Ideen nicht mehr heran, ein fast komplettes Grobkonzept für ein Warenwirtschaftssystem mit ein paar ganz neuen Features (wird mit Sicherheit nie fertig und selbst wenn, woher nehmen wir 50 Mannjahre, und außerdem: wer würde es wollen?), ein Konzept für ein Enterprise Management System, das ist etwas ganz Neues, ein Buch über diese unsere so innovative Wirtschaft (wo kriege ich nur die Wirtschaftskenndaten her, die ich dafür benötige?) und noch ein paar weitere Ideen von Ute. Und in ein paar Kontinente wollen wir uns auch noch umsehen.
Aber träumen wir nicht alle von etwas?