Der optimale Personalchef
Nun erwähnte ich eingangs, daß es auch gute Personalchefs gibt. Was stelle ich mir darunter vor?
Das ist eine gute Frage. Leider kann ich sie nicht beantworten. Eigentlich wollte ich auf diesem Abschnitt eine alternative Aufgabenstellung beschreiben, die den modernen Personalchef rehabilitiert und ihm eine neue Rolle zuweist, zum Beispiel als globale Schnittstelle für Konflikte im Unternehmen. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto weniger fand ich. Und ich habe es wirklich versucht!
Aber alles was ich fand, waren entweder Aufgaben, die eigentlich den Führungskräften zuzuordnen sind, oder aufgeblasene Verwaltungstätigkeiten, die ich eben erst kritisiert hatte.
Deshalb beschließe ich dieses Traktätchen nicht meiner Ansicht darüber zu beenden, was ein guter Personalchef besser machen könnte, sondern zitiere Robert Townsend's Meinung zu Personalabteilungen:
Personalabteilung
Feuern Sie die ganze Personalabteilung!
Falls der Betrieb nicht zu groß ist (in diesem Fall sollte er in selbständige Teile aufgespalten werden), genügt eine Ein-Mann-Abteilung (nicht "Personalabteilung"). Die Personalunterlagen können zusammen mit der Gehaltsliste in der Hauptbuchhaltung aufbewahrt werden. Die Ein- Mann-Abteilung, bestehend aus einer Dame, die ihr Telefon und ihre Schreibmaschine selbst bedient, geht allen an die Hand, die Mitarbeiter einstellen (Das Geheimnis beim Einstellen von Mitarbeitern sind die geheimen Schwingungen zwischen Chef und Kandidat: gut, schlecht oder Fehlanzeige). Sie hält die Listen der Bewerber auf dem laufenden, überprüft Zeugnisse und vergleicht die bei Ihnen gezahlten Gehälter mit denen der Konkurrenz.
Hinsichtlich der Gehälter bin ich schon lange der Überzeugung, daß es billiger kommt, wenn man Spitzengehälter für Mitarbeiter bezahlt, die zur Spitzenklasse gehören. Aber viele große Personalabteilungen von Versicherungsgesellschaften, Banken usw. stellen bewußt Mitarbeiter der niedrigen Leistungsklasse ein, "um Geld zu sparen". Wenn sie sich nur klarmachen würden, was sie sich damit selbst antun!
Das Üble an den Personalsachbearbeitern ist, daß sie Tricks anwenden, die aus dem Bereich der fabrikmäßigen Herstellung stammen. Sie verwenden Listen und Umbesetzungspläne. Sie haben Einschätzungsprogramme, sie wählen und bilden Menschen aus, als ob sie Maschinen seien.
Aber der lebendige Mensch ist kein Dr. Frankenstein. Wie McGregor dargelegt hat, ist der gesündere Weg der Natur abgeschaut. Man sorge für gutes Klima und entsprechende Ernährung und lasse den Menschen wachsen. Das Ergebnis ist überwältigend.
aus: Robert Townsend, Hoch lebe die Organisation, Droemer Knaur, 3. Auflage 1970.
(Dieses Buch, daß ich nur durch Zufall erhalten habe, ist nicht nur bereits fast 30 Jahre alt, sondern seine Inhalte und Ansichten sind leider selbst jetzt noch hochaktuell).