Baut die Titanic II
Aufgabe
Aufgabe ist die Konstruktion und der Bau eines Tankschiffes mittlerer Ladekapazität. Die Reederei erstellt eine Ausschreibung mit den wesentlichsten Anforderungen und holt Angebote mehrerer Unternehmen ein. Gleichzeitig legt sie offen, daß fachliche Kompetenz der Werft und die Einhaltung einer Lieferzeit von ca. 12 Monaten wesentliche Kriterien bei der Auftragsvergabe bilden. Folgeaufträge werden in Aussicht gestellt.
Der Anforderungskatalog beinhaltet im wesentlichen folgende Bedingungen:
graphic Das Schiff muß den Suez- und den Panama-Kanal befahren können.
graphic Die Mannschaft soll nicht größer als 8 Mann sein.
graphic Die Sicherheitsbedingungen der wichtigsten Industrieländer müssen eingehalten werden.
graphic Als Ladekapazität werden ca. 60.000 t Leichtöle und Benzin benötigt, eine gemischte Beladung ist vorzusehen.
graphic Der Tanker soll eine um 30% über dem üblichen Durchschnitt liegende Dauerfahrgeschwindigkeit einhalten können
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Zuschlag
Der Zuschlag geht an die ABC Company, deren Angebot durch Auftreten, präsentierte fachliche Kompetenz und die unbedingte Zusage der Termineinhaltung positiv auffällt. Beeindruckend wirkt auch die Aussage der Gesellschaft, bereits ca. 60 Schiffsneubauten erfolgreich abgewickelt zu haben, sowie eine umfangreiche Referenzliste, die auch bekanntere Reedereien aufführt.
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In der ABC Company ist die Freude groß. "Ein richtig dicker Fisch" meint der Geschäftsführer, und gießt sich noch etwas Sekt ein, "kein Kleinkram, an dem letztendlich kaum noch Deckungsbeiträge übrigbleiben". Der Vertriebsleiter stimmt dem zu "Hier öffnet sich uns ein neuer Markt. Wir müssen groß denken, dürfen uns nicht hinter anderen Gesellschaften verstecken. Die kochen auch nur mit Wasser". Die restlichen Worte gehen in Gemurmel unter, während er seine zukünftigen Provisionen aus dem Projekt ausrechnet. Auch der Konstruktionsleiter sieht die Zukunft positiv: "Wenn wir alle kräftig anpacken und systematisch arbeiten, kann praktisch nichts schief gehen. Alles was wir brauchen, ist ein genaues Anforderungsprofil. Mit unserern modernen Hilfsmitteln setzen wir diese problemlos in eine Konstruktion um. Was andere können, haben wir auch drauf." und lächelt überzeugt.
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Das Projektteam
Die ABC Company benennt ein Projektteam und stellt die Mitglieder der Reederei vor. Die Vorstellung bestätigt den positiven Eindruck und das Projekt beginnt. Angetan zeigt sich die Reederei neben den aufgeführten Qualifikationen vom verhältnismäßig niedrigen Durchschnittsalter des Projektteams, das auf eine dynamische und geistig wendige Arbeitseinstellung hoffen läßt. Dies soll sicherstellen, daß die Entwicklung auf der Höhe der Zeit sein wird und keine veralteten Konstruktionsmethoden verwendet werden.
Herr Maier, Projektleiter
Ist seit 10 Jahren im Geschäft und bereits seit drei Jahren als Projektleiter tätig.
Herr Müller, Ingenieur
Ist seit fünf Jahren im Geschäft und hat Erfahrungen im Frachtschiffbau.
Herr Rheinfels, Ingenieur
Sechs Jahre Berufserfahrung. Ist spezialisiert auf Ausflugsschiffe für die Rhein - Main - Schiffahrtsgesellschaften.
Herr Wankel, Ingenieur, freiberuflich
Mit 50% seiner Zeit zur Konstruktion von Maschinenanlagen verpflichtet.
Herr Neuss, Ingenieur mit 8 Monaten Berufserfahrung
Die ABC Company wies ihn als "guten Mitarbeiter aus, der bereits in kürzester Zeit an komplexen Aufgabenstellungen beteiligt werden konnte und durch innovative Ideen auffällt". In der ABC Company ist er bisher für das moderne Stromliniendesign für Schornsteine und Reling zuständig.
Frau Wiewand und Herr Reis, Ingenieure
Diplomarbeit gerade abgeschlossen
Frau Weiß und Herr Schwarz, technische Zeichner
Ihre Aufgabe ist die Unterstützung der Ingenieure bei der Erstellung der Konstruktionszeichnungen.
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Die ABC Company existiert seit ca. 12 Jahren und baut seit diesem Zeitraum Schiffe speziell für Fluß- und Küstenschiffahrt. Sie übernimmt auch Fremdaufträge anderer Gesellschaften. Außerdem vermietet sie ihre Ingenieure gelegentlich. Selbst gebaut hat sie bereits 36 Schiffe, davon 12 auch bedingt geeignet für Hochseeschiffahrt. Die Referenzliste wurde aber auch um Projekte erweitert, die in Fremdauftrag und nur als Zusatzkonstruktionen ausgeführt wurden.
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"Wir benötigen eine gute Referenzliste. Die Kunden wollen das sehen, ansonsten haben sie kein Vertrauen in die Fähigkeiten des Anbieters" ist die leider berechtigte Ansicht des Vertriebsleiters gewesen. "Letzten Endes haben wir ja tatsächlich für diese Kunden gearbeitet, ist doch egal, ob als Sub- oder Generalunternehmer" unterstützt ihn der Entwicklungschef. "Wenn wir schon im Vorfeld Details aufführen, irritiert das letzten Endes nur" haut der Geschäftsleiter in die gleiche Kerbe: "Jeder Anbieter muß sich letzten Endes so gut wie möglich präsentieren. Wer ehrlich ist, fällt nur als unsicher auf. "
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Der Vertrag
Die ABC Company bestätigt der Reederei, daß die Lieferung frist- und leistungsgerecht erfolgen wird. Ihre Geschäftsleitung erklärt überzeugend, daß sie das Projekt als strategisch wichtig erachtet und alles daran setzen wird, einen vollen Projekterfolg für den Kunden herbeizuführen. Die Reederei bekräftigt daraufhin ihr Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der ABC Company und schließt den Vertrag ab. Dieser sieht die Erstellung eines Anforderungskatalogs und einer Betriebsanleitung vor. Die Vorlage eines Gesamtprojektplans und dessen regelmäßige Aktualisierung werden ebenfalls vereinbart.
Irritiert ist der Auftraggeber zuerst von der Forderung nach Vorausleistung von 30 Prozent des Kaufpreises, kann aber dann der Argumentation der ABC Company folgen, daß "für das Projekt nicht unerhebliche Investitionen vorzunehmen sind". Weitere 30% werden mit dem Stapellauf fällig, die Auslieferung belastet den Auftraggeber wieder mit 30% und die restlichen 10% sind nach Abnahme des Schiffes zu entrichten.
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"Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch gar nicht so viel planen. Welche Probleme auf uns zukommen werden, erkennen wir doch erst, wenn wir in der jeweiligen Konstruktionsphase stecken." kommentiert der Projektleiter, Herr Maier, zurück im Hause seine Kundengespräche. "Wir legen jetzt erst einmal einen Plan vor, der vernünftig aussieht. Auf Kundenseite werden sich sowieso noch einige Verzögerungen einstellen, denn die Frachtrouten des neuen Schiffs sind noch gar nicht vorbereitet. Das verschafft uns einen guten Zeitpuffer."