Bau und Stapellauf
Endlich und mit nur geringfügigen Verzögerungen (33%) ist die Planungsphase beendet - und die Werft stürzt sich entschlossen in die Bauphase.
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graphicMonat 9
Der Kiel wird aufgelegt. Mehrere Lagerschuppen werden abgerissen, um einen Bauplatz ausreichender Länge zu schaffen. Die Reederei sendet einen Vertreter auf das Werftsgelände und läßt sich den bisherigen Arbeitserfolg zeigen. Da faktisch noch nichts zu sehen ist, moniert dieser lediglich einige kleinere allgemeine Mängel.
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graphicMonat 10
Der Kiel ist fertig, es beginnt der Aufbau des Rumpfs. Der Reederei wird gemeldet, daß die beim letzten Besuch notierten Mängel beseitigt seien.
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graphicMonat 11
Der Rumpf weist Lücken an den Übergängen zwischen den unterschiedlichen Planungsbereichen auf. Wegen der ungenauen Zeichnungen können auch nicht alle Rumpfplatten nahtlos aneineinander geschweißt werden. Verschiedene unbedeutende Fehler werden entdeckt, zum Beispiel Schotten ohne Türen, unbeleuchtete Gänge und Wasser- und Druckleitungen ohne Abzapfhähne.
Die Werftarbeiter beschweren sich über die vielen Korrekturen in den Zeichnungen und die fehlenden Maßangaben. Die Pläne seien kaum leserlich und oft müßte man raten, was der Zeichner eigentlich beabsichtigte. Immer mehr Bauzeit wird erforderlich, die daraus entstandenen Fehler wieder umzubauen.
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Die "alten Hasen" des Projektteams sind nicht beunruhigt. "Sowas kommt immer wieder mal vor" meint Herr Rheinfels und erzählt Anekdoten aus seiner Anfangszeit. "Das sind alles Fehler, die wir später in einem Aufwasch ausräumen können" beruhigt auch Herr Maier den Vertriebschef. "Die wesentliche Funktionalität ist doch bereits vorhanden. Und beachten Sie auch unser elegantes Design.".
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Der Vertreter der Reederei besichtigt erneut die Werft und ist entsetzt über riesige Risse in der Schiffshaut. Die ABC Company erklärt ihm, daß diese Stellen bekannt seien und noch bearbeitet würden. Zur Darlegung ihrer Position und Beruhigung des Kunden übergibt die Geschäftsführung der ABC Company eine schriftliche Stellungnahme, in der versichert wird, daß alle jetzt in der Bauzeit noch fehlenden Funktionsmerkmale selbstverständlich in der Endausbaustufe vorhanden sein werden. Im übrigen seien derartige Unstimmigkeiten bei einem so komplexen Baukörper zu erwarten und würden durch einen speziellen Review-Prozeß entdeckt und beseitigt werden.
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graphicMonat 12
Die Risse werden durch darübergeschweißte Stahlplatten provisorisch abgedichtet. Eine endgültige Lösung wird verschoben, bis der Planungsstab wieder mehr Zeit hat. Zur Zeit ist dieser komplett damit ausgelastet, die fehlenden Schotte, unvollständigen Gänge und die diversen fehlenden Kleinigkeiten wie Wasserhähne, Lichtschalter und ähnliches nachzuziehen.
Das Projektteam arbeitet jetzt mit 14 Stunden täglich. Immer öfter sind die Mitarbeiter auch an den Wochenenden im Unternehmen anzufinden. Die Geschäftsleitung sieht die Überstunden als Beweis dafür, wieviel Entwicklungskapazität sie in das Projekt steckt.
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graphicMonat 13
Aufgrund der verlorenen Zeit kann sich das Projektteam nicht mehr zusammensetzen, um das Handling der Geräte und Maschinen aufeinander abzustimmen. Es einigt sich aber am Mittagstisch kurzerhand, alle Start-Knöpfe mit grüner Farbe, alle Stop-Knöpfe mit roter Farbe zu markieren.
Der Vertriebsleiter läßt die aufgeschweißten Stahlplatten dick mit Farbe übermalen.
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graphicMonat 14
Aufgrund der Um- und Nachbauten ging ein weiterer Monat verloren. Die ABC Company teilt der Reederei die zu erwartende Verzögerung mit. Die Reederei beschwert sich, daß damit mehrmalig Verzögerungen auftgetreten seien und der ursprüngliche Liefertermin bereits weit überschritten sei. Die ABC Company hält dagegen, daß die Reederei doch selbst der ersten Verschiebung zugestimmt hätte.
Nach einigen Quereleien gibt die Reederei nach, schließlich ist der Schaden bereits angerichtet und sie fürchtet, mit einem Streit weitere Verzögerungen zu bewirken.
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graphicMonat 15
Um sich endlich selbst einen Eindruck von der Situation zu verschaffen, besucht die Geschäftsführung der Reederei die Werft. Das Schiff vermittelt nach der neuen Lackierung einen soliden Eindruck. Der Leiter der Buchhaltung ist insbesondere vom schnittigen Design beeindruckt. Die Führung dauert einen ganzen Tag und wird von Geschäftsführer und Vertriebsleiter der ABC Company persönlich vorgenommen. Die bestehenden Meinungsverschiedenheiten werden beim gemeinsamen Abendessen beigelegt und beide Seiten erwarten, daß der weiteren plangemäßen Umsetzung nichts mehr im Wege steht.
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"In Zukunft sind alle weiteren Termine unbedingt einzuhalten" ermahnt der Geschäftsführer sein Team "Ansonsten sind die Reederei und auch ich mit der Arbeit sehr zufrieden". Der Projektleiter erklärt seinem Team, daß trotz einiger technischen Schwierigkeiten das Projekt im großen und ganzen gut läuft. "Besonders freue ich mich über die hohe Motivation und den Teamgeist".
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graphicMonat 16
Verschiedene Fehler in der Statik werden durch den Einbau von Stahlträgern ausgeglichen. Beim Einbau der Maschinenanlage entdecken die Werftarbeiter, daß Lage und Abmessungen der Sockel nicht passen. Herr Neuss konstruiert in aller Eile einige provisorische Halterungen, die er später ersetzen will. Die Kühlanlage arbeitet nicht. Ein externer Spezialist wird herangeholt und bringt die Kühlanlage zum Laufen. Das Projekt gerät erneut um einige Wochen in Zeitverzug.
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graphicMonat 17
Die ersten Tests sind abgeschlossen. Alle wesentlichen Funktionen können zumindest gestartet werden.
Die Werftmitarbeiter spotten, daß "alles läuft, wenn Du genau weißt, welchen Knopf Du wann drücken darfst". Der Geschäftsführer der ABC Company nimmt die Werftmitarbeiter daraufhin hart ins Gericht "Konstruktive Mitarbeit ist in diesem Unternehmen gefragt, nicht destruktive Kritik".
Da nach diesen deutlichen Worten keine Beschwerden mehr zu hören sind, geht die Geschäftsleitung davon aus, daß die meisten Fehler beseitigt sind und setzt den feierlichen Stapellauf an.
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graphicStapellauf
Reederei und ABC Company freuen sich über die guten Ergebnisse beim Stapellauf. Die prinzpielle Funktionsfähigkeit ist erkennbar und das Schiff beweist sich zum erstenmal in seinem zukünftigen Arbeitsgebiet.
Während die Feier noch läuft, wird das Schiff von mehreren Schleppern und Schwimmkränen ausgepumpt und zum Trockendock gebracht.
Die Reederei erhält eine Rechnung über weitere 30% des Kaufpreises.
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graphicMonat 18
Alle während des Stapellaufs entdeckten Lecks werden zugeschweißt. Die beim Stapellauf entstandenen Wasserschäden werden ausgebessert. Der Innenausbau wird vorangetrieben und die ersten Aufbauten werden aufgesetzt.
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"Der Stapellauf hat uns wichtige Erkenntnisse gebracht" konstatieren die Projektmitglieder "Ohne das eindringende Wasser hätten wir viele Fehlerquellen gar nicht identifizieren können. Die meisten Fehler findet man einfach erst im Echtbetrieb."
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Der Rumpf ist nun schwimmfähig. Das Schiff wird deshalb für die Abschlußarbeiten an den Ausrüstungskai verlegt.