Andere Fachbücher
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(12.03.00 - Autor: Olli)
graphicRobert Townsend: "Hoch lebe die Organisation" (1970)
Dieses Buch erklärt von A wie "Aktennotiz, die letzte" bis Z wie "Zuviel und zuwenig" wie Unternehmen laut Robert Townsend funktionieren müssen. Das Buch ist humorvoll geschrieben und prima organisiert, denn es besteht schlicht aus ca. 120 Stichworten, in denen kurz und knapp wesentliche Apsekte der Unternehmensführung locker und präzise dargestellt werden. Dazu kommt noch ein (selbstkritischer) Anhang mit 10 Prüfungsfragen "Wie schätzen Sie Ihren Chef ein?".
Ein Fazit zu diesem Buch ist leicht: Townsend war ein extremer Vertreter von Lean Management und Human Resource Management bereits 20 Jahre bevor es diese Schlagworte gab. Mit diesen Prinzipien hat er AVIS in den 60ern groß gemacht. Es ist bedauerlich, dass dieses Buch heute jederzeit und ohne jede Änderung neu aufgelegt werden könnte und genauso brandaktuell wie vor 30 Jahren wäre. Ich liebe es.
Ein Zitat:
Stichwort "Entscheidungen"
Alle Entscheidungen in einer Organisation sollten so weit wie nur möglich auf unterster Ebene getroffen werden. Die Schlacht von Stalingrad wurde von einem Mann verloren, der die örtlichen Verhältnisse nicht kannte und nicht kennen wollte. Es gibt zweierlei Entscheidungen: solche, die kostspielig zu ändern sind, und solche, die es nicht sind.
Ein Entschluß wie etwa der, den Ford Edsel oder den Mustang zu bauen (oder eine Fabrik in Orlando oder Yakima zu errichten) sollten nicht überstürzt gefaßt werden. Und nicht ohne eine Menge Informationen von Praktikern und Leuten vom Bau.
Aber Fragen wie etwa die, wann die Betriebskantine mittags geöffnet sein soll oder welche Sorte Bleistifte anzuschaffen ist, sollen rasch entschieden werden. Es hat keinen Sinn, sich drei Wochen Zeit für eine Entscheidung zu lassen, die in drei Sekunden getroffen werden kann. Stellt sie sich später als falsch heraus, so kostet es nicht viel, sie zu ändern. Es könnte aber sein, daß der ganze Betrieb stillsteht, weil der Chef schwankt, ob babyblaue oder büffelbraune Kaffeebecher angeschafft werden sollen.
graphicC.W. Ceram: "Götter, Gräber und Gelehrte" (1949)
"Mein Vater und meines Vaters Vater haben vor mir ihre Zelte aufgeschlagen... seit zwölf Jahrhunderten haben sich die wahren Gläubigen - und Gott sei gelobt, sie allein besitzen die wahre Weisheit - in diesem Lande niedergelassen, und keiner von ihnen hat je von einem unterirdischen Palaste gehört, und auch die nicht, die vor ihnen kamen. Und siehe! da kommt ein Franke aus einem vielen Tagereisen entfernten Lande und geht gerade auf den Platz und nimmt einen Stock und macht eine Linie dahin und eine Linie dorthin. >Hier<, sagt er, >ist der Palast<, und >dort<, sagt er, >ist das Tor<, und zeigt uns, was unser Leben lang unter unseren Füßen gelegen hat, ohne dass wir etwas davon wussten. Wunderbar! Wunderbar! Hast du dies durch Bücher erlernt, durch Zauberei oder durch eure Propheten? Rede, o Bey! Sage mir das Geheimnis der Weisheit!
Das ist kein Buch über Geschichte, kein Buch über Archäologie, und gewiß kein wissenschaftliches Buch. Ganz bestimmt ist es nicht langweilig. Es fasziniert, es begeistert, es überschlägt sich, berichtet von Abenteurern in Wüsten und Dschungeln, fremden Zeiten, von einer staunenden Welt, der die Bibel eine Legendensammlung und Homer lediglich ein erfinderischer Dichter war - und den Männern, die Troja aus dem Schutt der Jahrhunderte ausgruben, Ninive der Sage entrissen, das biblische Ur wirklich machten. Agamemnon, Gilgamesch - keine Schatten der Fantasie, sondern Wirklichkeit, Herrscher, Kaufleute, Sklaven, Menschen, die zu Urzeiten lebten - ja lebten - und deren Taten im Staub der Jahrtausende buchstäblich begraben wurden.
Es beginnt mit den ersten Gelehrten, die das römische und griechische Altertum - nach tausend dunklen Jahren - zu ordnen begannen, geht weiter über Schliemann, den Kaufmann und Millionär, der sich seinen Kindheitstraum erfüllte und Troja entdeckte (nicht das echte, wie eine klügere Zeit hundert Jahre später weiß), den französischen Gelehrten, die Napoleons Soldaten am Nil begleiteten, schildert ihre Strapazen, Hoffnungen, Leben, ihre Entdeckungen und Enttäuschungen, wie sie eine unbekannte Sprache entzifferten und mitviertausend JahrenMenschheitsgeschichte belohnt wurden. Und dessen nicht genügend, gruben weitere Gelehrten abenteuerlichst im Schutt des Zweistromlandes, um "eine Kultur zu finden,die schon alt war, als die Pyramiden noch nicht gebaut waren". Es vergisst den kleinen biederen Göppinger Lehrer nicht, dessen Leben sich bis zu seinem Tode durch blasse Gleichförmigkeit auszeichnete und der doch als Student aufgrund einer bierseligen Wette den Schlüssel zur Entdeckung der Keilschrift fand - "eine unbekannte Schrift, in einer unbekannten Sprache, kann nicht entziffert werden" zum Trotz.
Es schildert Zeit, Geschichte, die Menschen, die sie machten, und die Menschen, die sie fanden. Es berührt und enthusiasmiert, um dieses alte Wort zu bemühen, das es aber noch am Besten trifft. Es erzählt Geschichten, um Geschichte zu erzählen.
graphicJoseph Weizenbaum: "Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft"
Weizenbaum ist - entgegen manchen Verständnis - kein Maschinenstürmer, der Computer abschaffen will. Er plädiert aber für den rationalen Umgang damit. Er unterstellt, und meiner Ansicht nach zu recht, daß wir viel zu viel Vertrauen in die Funktionsfähigkeit von EDV- Systemen haben und zugleich die schematische Programmlogik als echte Entscheidungsfähigkeit empfinden. Damit überlassen oder wälzen wir vielleicht zu oft und ohne echte Überlegung Verantwortung an dumme, sture, oft schlampig programmierte und fehleranfällige Maschinen ab.
Eine Einführung in die Funktionsweise der Maschinen, eine sehr kritische Betrachtung der Ziele und dem Selbstverständnis der Forscher der Künstlichen Intelligenz runden das Buch ab.
Persönliches Beispiel: Wer war am Schwarzen Montag im Oktober 1987 schuld? Oft heißt es, die Computer hätten sich aufgeschaukelt und immer schneller immer mehr Aktien abgestoßen. Ein gutes Beispiel, daß Systeme ohne Überwachung und letztlich ohne Verantwortungsübernahme durch irgendeine menschliche Instanz arbeiten, und wir das als normal empfinden. Eigentlich müßte es heißen: die Broker haben Systeme für sich arbeiten lassen, die sie nicht mehr überwachen konnten. Oder wie oft haben Sie in letzter Zeit gehört: daran war der Computer schuld (also eigentlich keiner)?
graphicJames P. Womack, Daniel T. Jones, Daniel Roos: "Die zweite Revolution in der Autoindustrie"
Fakten, Fakten, Fakten über die Auswirkungen verschiedener Qualitätssysteme und Denkweisen auf die Fertigung von, ja genau: Autos. Über die Übertragbarkeit des Buches auf andere Industriezweige mag man sich streiten, aber was die Automobilbranche angeht, räumt das Buch ganz nüchtern und sachlich mit so ziemlich allen Stammtischvorurteilen auf.
Mittlerweile etwas veraltet, aber meiner Ansicht nach immer noch ein Augenöffner.
graphicWalter Krämer: "So lügt man mit Statistik"
Versehentliche und absichtliche Manipulationen sind einfacher als man denkt und begegnen uns selbst bei den simpelsten Themen. Wer zumindest etwas Durchblick im Dschungel haben will, dem sei dieses Buch empfohlen. Statistik selbst kommt so gut wie gar nicht vor, und die Beispiele animieren zum Lachen und Weiterlesen.
Ein Tip: Vorsicht vor Statistiken ohne Maßangaben auf der Grafik...